Astrologie – Irgendwas mit Sternen.

Du willst wissen, was sich hinter Astrologie verbirgt? Keine der bisherigen Antworten hat dich so richtig überzeugt? Ich bin in einem Buch von Demetra George, ‚Ancient Astrology in Theory and Practice’*, auf ein philosophisches Konzept gestoßen, das ich sehr schlüssig finde.

Das kosmische Ordnungssystem der Antike

Frühe Philosophen sahen den Kosmos als ein hierarchisches Ordnungssystem, in dem die Erde das Zentrum darstellte. Die Erde war umgeben von sieben sich bewegenden Planeten, einer Unmenge an Fixsternen – und alles war eingebettet in einem göttlichen Element, dem ‚Aithḗr‘.

Am äußeren Rand des Systems befand sich die Ebene der Einheit, Ewigkeit und Unveränderbarkeit. Platon nannte es ‚The Good‘, Aristoteles ‚The Prime Mover‘ und Plotinus ‚The One‘. Dies war die Quelle allen Seins, das göttliche Prinzip selbst.

Die drei Ebenen des Kosmos

1. Die Fixsterne – Das Göttliche

Planeten und Fixsterne wurden als sichtbarer Ausdruck des göttlichen Prinzips angesehen. Die Fixsterne galten dabei als besonders göttlich wegen ihrer Nähe zur Quelle und ihrer unveränderlichen, ewigen Bewegung.

2. Die Planeten – Die Vermittler

Die Planeten bewegten sich zwischen Fixsternen und Erde. Sie waren weniger göttlich, da weiter entfernt von der Quelle, und sie bewegten sich unregelmäßiger. Doch genau diese Position machte sie zu Vermittlern zwischen dem Göttlichen und dem Irdischen.

3. Die Erde – Das Reich der Sterblichen

Das Zentrum des Systems setzte sich aus den vier Elementen Feuer, Luft, Wasser und Erde zusammen. Die Erde selbst wurde von Sterblichen bevölkert, die sich gleichfalls aus den vier Elementen zusammensetzten und ausgestattet waren mit einem göttlichen Funken – auch Seele genannt.

Die astrologische Deutungskunst

Diese himmlische Anordnung diente den frühen Astrologen als Grundlage, um den Zustand der Planeten anhand unterschiedlicher Kriterien zu bewerten. Die Fixsterne bildeten dabei Bilder, durch die die Planeten scheinbar wanderten. Einige dieser Sternenbilder wurden später als die zwölf Tierkreiszeichen (Ekliptik) interpretiert, die als göttliche Residenzen verstanden wurden.

Planetare Würden

Den zwölf Tierkreiszeichen ordnete man die sieben Planeten zu. Wenn sich ein Planet in seiner „Heimatresidenz“ befand – wie zum Beispiel die Sonne im Tierkreiszeichen Löwe oder Venus im Zeichen Stier – galt das als besonders einflussreich und kraftvoll.

Die Bewegung der Planeten

Die Planeten selbst bewegten sich unregelmäßig, sowohl innerhalb ihrer eigenen Bahn als auch im Verhältnis untereinander. Diese planetaren Bewegungen wurden von den frühen Astrologen kartographiert, vielfältig beschrieben und in Zusammenhang mit dem Leben der Menschen auf der Erde gebracht.

Die zwölf Häuser

Mit dem täglichen Verlauf der Sonne, der ebenfalls in zwölf Abschnitte geteilt wurde, beschrieben die Astrologen zusätzlich Lebensbereiche – auch Häuser genannt – in denen sich die menschliche Erfahrung manifestierte.

Die Rolle der Planeten

Den Planeten wurde in diesem Prozess eine vermittelnde Rolle zwischen dem Göttlichen (den Tierkreiszeichen) und dem Irdischen (den Häusern) zugeschrieben. Sie waren die Boten, durch die göttliche Energie in das Leben auf der Erde integriert werden sollte.

Man könnte sagen: Die Tierkreiszeichen sind die Sprache des Göttlichen, die Häuser sind die konkreten Lebensbereiche auf der Erde, und die Planeten sind die Übersetzer, die zwischen beiden vermitteln.

Das Versprechen der Geburt

Wenn ein Mensch geboren wird, halten die Planeten in ihrer Bewegung kurz inne und begeben sich in eines der zwölf irdischen Häuser. Dieser Moment markiert den Beginn eines Versprechens, das nun beginnt, sich zu entfalten.

Das Geburtshoroskop ist somit wie eine kosmische Momentaufnahme – ein Abbild der Planetenkonstellationen zum Zeitpunkt der Geburt. Es zeigt die Qualität dieses einzigartigen Augenblicks und das Potenzial, das in diesem Moment angelegt wurde.

Das Ziel der Planeten in ihren unterschiedlichen Zuständen ist es dabei, alles zu tun, um das Versprechen bestmöglich zu erfüllen. Manche haben es leichter (wenn sie in würdigen Positionen stehen), andere müssen härter arbeiten (wenn sie herausgefordert sind) – doch alle tragen ihren Teil zur Entfaltung dieses individuellen Lebensplans bei.

Astrologie als spirituelle Praxis

Dieses antike Verständnis macht deutlich: Astrologie ist mehr als ein Werkzeug zur Vorhersage. Sie ist eine spirituelle Praxis, die uns hilft zu verstehen, wie wir als göttliche Funken in einem materiellen Körper das Potenzial unserer Geburt verwirklichen können.

Die Planeten erinnern uns daran, dass wir Teil eines größeren kosmischen Ganzen sind – verbunden mit dem Göttlichen und zugleich ganz konkret hier auf der Erde.

 

*Quelle: Demetra George, Ancient Astrology in Theory and Practice’, Volume One, 2019, Seiten 23-29

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