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Tempel Hathor, Tender
Astrologie Geschichte

was ist hellenistische Astrologie?

Zurück zu den Ursprüngen Als ich meine astrologische Ausbildung im DAV Zentrum Astropraxis Hamburg begann, sagte meine Mentorin einmal: „Früher oder später merkst du, welche Richtung in der Astrologie dich besonders ruft.“ Und genau so war es. Etwa ein Jahr nach meinem Start stieß ich auf ‚The Astrology Podcast‘ von Chris Brennan. Chris ist ein US-amerikanischer Astrologe, Autor und Podcaster, der sich intensiv mit den antiken Wurzeln unserer Disziplin beschäftigt. Sein Buch ‚Hellenistic Astrology: The Study of Fate and Fortune‘ gilt heute als Standardwerk. In seinem Podcast führt er tiefgehende Gespräche mit internationalen Astrolog:innen über Geschichte, Philosophie, Techniken und Praxis. Was mich sofort faszinierte: Die hellenistische Astrologie bietet konkrete, praktische Werkzeuge für die astrologische Deutungspraxis – und gleichzeitig ein tiefes Verständnis dafür, warum unsere moderne Astrologie so funktioniert, wie sie funktioniert. In diesem Beitrag möchte ich euch für diese Urform der Astrologie begeistern und einige der wichtigsten Techniken vorstellen. Ursprung im Mittelmeerraum Die hellenistische Astrologie entstand zwischen dem 1. Jahrhundert v. Chr. und dem 6.–7. Jahrhundert n. Chr. im kulturell lebendigen Umfeld rund um das Mittelmeer. Hier entwickelte sich eine neue, individuelle Form: die horoskopische Astrologie. Während ältere Traditionen wie die babylonische Astrologie vor allem Omen-Deutung für kollektive Ereignisse betrieben, verlagerte die hellenistische Astrologie den Fokus auf das Individuum. Ein entscheidender Schritt war die Einführung des Aszendenten – in antiken Texten als ‚Horoskopos‘ oder ‚Hour-Marker‘ bezeichnet. Er markiert den östlichen Horizont zum Geburtszeitpunkt und wurde zum Ankerpunkt für die zwölf Häuser, die ‚Topoi‘ oder ‚Orte‘. Damit entstand erstmals ein systematisches Ordnungssystem für Lebensbereiche: Familie, Beruf, Partnerschaft, Gesundheit – jedes Thema bekam seinen Platz in einer kosmischen Architektur. Zwei zentrale philosophische Positionen bestimmten die hellenistische Astrologie: Zum einen, ob die Gestirne als Zeichen oder als Ursachen wirken. Zum anderen, ob das Geschehen im Leben vollständig oder nur teilweise vorherbestimmt ist. Diese Spannungsfelder zwischen Schicksal und freiem Willen prägen die astrologische Praxis bis heute. Wiederbelebung einer vergessenen Tradition Mit dem Niedergang der antiken Welt und der Christianisierung Europas gingen viele Originaltexte verloren, andere wurden im Mittelalter verkürzt oder uminterpretiert. Viele Techniken der hellenistischen Astrologie gerieten über Jahrhunderte in Vergessenheit. Erst in den 1990er Jahren begann ‚Project Hindsight‘ (Robert Schmidt, Robert Hand, Robert Zoller, Ellen Black), antike Texte systematisch zu übersetzen. Chris Brennan kam 2004/2005 am Kepler College mit dieser Tradition in Kontakt. Schnell erkannte er den praktischen Wert und machte es sich zur Aufgabe, die hellenistische Astrologie für Zeitgenossen zugänglich zu machen – als ‚Übersetzung der Übersetzung‘. Warum der Blick zurück lohnt? Ohne die hellenistische Astrologie gäbe es keine Horoskope, wie wir sie kennen. Sie ist die Wurzel der gesamten westlichen Tradition. Zentrale Techniken der hellenistischen Astrologie Sekte: Der Unterschied zwischen Tag und Nacht Taghoroskope (Sonne über dem Horizont) und Nachthoroskope (Sonne darunter) modulieren die Planetenwirkung grundlegend. Dabei gelten Sonne, Jupiter und Saturn als tagaktiv, während Mond, Venus und Mars nachtaktiv sind. Merkur nimmt eine Sonderstellung ein: Als Morgenstern wirkt er tagaktiv, als Abendstern nachtaktiv. Diese Unterscheidung macht einen enormen Unterschied in der Deutung: Jupiter entfaltet seine wohltuende Wirkung verstärkt im Taghoroskop, Venus hingegen im Nachthoroskop. Mars zeigt sich nachts konstruktiver und milder, während er tagsüber konfrontativer auftritt. Saturn strukturiert am Tag, wird jedoch nachts restriktiver. Das Haus, in dem sich der positivere Planet befindet, wird wahrscheinlich auch positive Erfahrungen in diesem Lebensbereich bedeuten, während die Themen des Hauses, in dem sich der negativere Planet befindet, sehr herausfordernd sein können. Ganzzeichenhäuser: Einfacher und klarer Die hellenistische Astrologie nutzte überwiegend Ganzzeichenhäuser: Jedes Tierkreiszeichen entspricht einem ganzen Haus. Steht der Aszendent bei 23° Jungfrau, wird die gesamte Jungfrau zum ersten Haus, Waage zum zweiten und so weiter. Chris Brennan dokumentiert hunderte erhaltene Horoskope – die überwältigende Mehrheit nutzt dieses System. Neben den Ganzzeichenhäusern existierten zwei weitere Systeme: äquale Häuser und Quadrantenhäuser. Alle drei entstanden früh in der hellenistischen Tradition, wobei Quadranten- und äquale Häuser typischerweise als sekundäre Überlagerung dienten – oft nur für spezifische Techniken wie die Bestimmung der Lebensdauer. Nach dem neunten Jahrhundert geriet das Ganzzeichensystem allmählich in Vergessenheit. Warum ich persönlich damit arbeite: Transite werden dadurch viel nachvollziehbarer. Der Eintritt eines transitierenden Planeten in ein neues Zeichen bedeutet automatisch den Eintritt in ein neues Haus – der Transit beginnt mit dem Zeicheneintritt und endet mit dem Zeichenaustritt. Die entsprechenden Hausthemen werden oft sofort spürbar. Häuserbedeutungen: Keine Zeichen-Analogien Ein fundamentaler Unterschied zur modernen Astrologie: Die hellenistische Tradition kennt keine Entsprechungen wie „Widder = Mars = erstes Haus“. Moderne Astrologen übertragen Bedeutungen von Zeichen und Planeten auf Häuser – das ist eine spätere Entwicklung. Stattdessen entwickelte die hellenistische Tradition Häuserbedeutungen aus drei spezifischen Faktoren: Angularität (Eckhäuser und ihre Triaden)Häuser wurden nach ihrer Beziehung zu den Hauptachsen (AC – DC, MC – IC) gruppiert. Jede Triade folgt einem Rhythmus: Eckhäuser sind stark, nachfolgende Häuser aufbauend, abfallende Häuser auflösend. Konfiguration zum AszendentenHäuser in Aspekt zum Aszendenten (Sextil, Quadrat, Trigon, Opposition) gelten als aktiv und günstig. Häuser ohne Aspekt gelten als weniger förderlich, da sie den Aszendenten nicht „sehen“ können. Planetare FreudenJeder Planet hat ein bevorzugtes Haus, basierend auf dessen Beziehung zum Aszendenten: Merkur im 1. Haus (Konjunktion) Mond im 3. (Sextil) Venus im 5. (Trigon) Mars im 6. (ohne Aspekt = Aversion) Sonne im 9. (Trigon) Jupiter im 11. (Sextil) Saturn im 12. (ohne Aspekt = Aversion) Diese drei Konzepte bilden die Grundlage für das Verständnis der Häuser in der hellenistischen Astrologie und zeigen, wie Lebensbereiche energetisch geprägt werden. Häuserherrscher: Drei Deutungsebenen Bei der Betrachtung der Häuserherrscher deutet die hellenistische Astrologie mit drei Prinzipien: Ebene 1: Symbolische VerbindungSteht der Herrscher eines Hauses in einem anderen Haus, verbinden sich die Themen beider Häuser. Praxisbeispiel: Einer meiner Klienten hat Saturn als Herrscher seines 7. Hauses im 9. Haus. Seine Verlobte kommt aus Kolumbien.  Sie haben sich während eines freiwilligen Jahres in London kennengelernt (9. Haus: Ausland, höhere Bildung). Mit 30, als sein 7. Haus aktiviert war, verlobte er sich mit ihr. Ebene 2: Günstige vs. ungünstige PlatzierungSteht der Herrscher in einem günstigen Haus (in Aspekt zum Aszendenten), entwickeln sich die Themen meist positiv. In einem ungünstigen Haus (ohne Aspekt zum Aszendenten) eher herausfordernd. Ebene 3: Würden und

Zufrieden sein.
Astrologische Konstellation, Planeten

Alles Jupiter!

Zuversicht ist eine wundervolle Antriebskraft, von der man eigentlich nicht genug haben kann. Dabei geht es weniger darum, dass immer alles nett sein soll. Der entscheidende Punkt ist vielmehr, auch bei widrigen Umständen lösungsorientiert zu bleiben, sich am Silberstreif am Horizont auszurichten und dankbar für das zu sein, was ist. So könnte man sich Menschen vorstellen, die eine starke Jupiter-Signatur mit auf den Weg bekommen haben. Jupiter – Der kosmische Beschützer Der Gasplanet Jupiter ist der größte in unserem Sonnensystem und doppelt so massiv wie alle anderen Planeten zusammen. Er hat eines der stärksten Magnetfelder und spielt mit seinen 95 bekannten Monden in der Top-Liga der Superlative mit. Seine Rolle für die Struktur und Dynamik unseres Sonnensystems ist entscheidend – ohne ihn wäre unser Überleben auf der Erde schwierig. Wie ein gewaltiger Staubsauger hält er potenziell gefährliche Brocken von uns fern. Die astrologische Bedeutung Und was machen die Astrolog:innen aus den astronomischen Fakten von Mr. XXL? Wachstum und Möglichkeiten! Der Wille, einen Weg zu finden, gepaart mit Enthusiasmus, lässt das Gefühl entstehen, dass alles möglich ist. Dabei richtet sich der Blick auf künftige Optionen, und die Bereitschaft wächst, sich über seine Grenzen hinwegzusetzen und seinen Horizont zu erweitern. Jupiter wird auch mit Entdeckergeist und der Suche nach Wissen, Weisheit und Bedeutung verbunden. Nach dem römischen Hauptgott Jupiter benannt – ein wohlwollender Autokrat – wird er auch mit Rechtssystemen und Moralkodizes in Verbindung gebracht. Mit dieser sehr großen Portion Selbstbewusstsein steht der Planet allerdings auch für Maßlosigkeit, Verschwendung und Selbstgerechtigkeit. Jupiter-Uranus-Konjunktion: Aufbruch ins Neue Im Jahr 2024 spielte Jupiter eine Hauptrolle. Seit Mitte 2023 durchlief er das Tierkreiszeichen Stier und symbolisierte damit stetiges, produktives Wachstum. Ende April 2024 näherte er sich nach 14 Jahren erneut dem Planeten Uranus an, der für plötzliche Veränderungen und Befreiungsschläge steht. Diese Konstellation verspricht viel, da beide Planeten zukunftsorientiert sind und es um die Gestaltung von radikal Neuem, Aufbruchsstimmung und neue Visionen geht. Es besteht die Möglichkeit bedeutender wissenschaftlicher Durchbrüche, insbesondere im Bereich der Technologie. Gleichzeitig sind diese Phasen von starken gesellschaftlichen Spannungen geprägt. Historische Meilensteine der Jupiter-Uranus-Zyklen Hier einige ausgewählte Beispiele für das Zusammenwirken dieses Power Couples auf kollektiver Ebene: 1789: Beginn der Französischen Revolution, in der Bürger:innen mehr Rechte erlangten. 1900: Auf der Pariser Weltausstellung werden zahlreiche technologische Errungenschaften präsentiert, die das 20. Jahrhundert prägen sollten, darunter der Dieselmotor, der Tonfilm und die Eröffnung der Pariser Metro. 1941: Konrad Zuse präsentiert in Berlin den ersten Computer. Im selben Jahr überfällt Deutschland die ehemalige Sowjetunion, was den Beginn seines Niedergangs einleitet, während die USA in den Zweiten Weltkrieg eintreten. 1969: Neil Armstrong betritt als erster Mensch den Mond. Die Stonewall Riots markieren einen Wendepunkt im Kampf um die Rechte und Sichtbarkeit der LGBTQIA+* Community. Die Mutter aller Festivals – Woodstock – findet statt. 2010: Beginn des Arabischen Frühlings. Einführung von Instagram als bedeutendem neuen Medium und Entstehung des Berufs des/der Influencer:in. Neue Werte für eine neue Zeit Mit dem neuen Jupiter-Uranus-Zyklus im Tierkreiszeichen Stier geht es um Veränderungen bezüglich unserer Werte und Ressourcen. Welches Wachstum ist wirklich von Bedeutung und wo übertreiben wir möglicherweise? Es gilt, unsere Prioritäten zu überdenken, nachhaltige Wege des Wachstums zu erkunden und eine ausgewogene Balance zwischen unserem Streben nach Fortschritt und unserer Wertschätzung für das Bestehende zu finden. Jupiter in Zwillinge: Der Überfluss an Ideen Ein zweiter wichtiger Transit war Jupiters Wechsel in das Tierkreiszeichen Zwillinge Ende Mai 2024. Hier bleibt der Planet für etwa ein Jahr und wir dürfen eimerweise mit Ideen und Geschichten rechnen, die nur allzu gerne mit der ganzen Welt geteilt werden wollen. Es könnte zu einem Überfluss an Informationen kommen, zu Ablenkungen und Schwierigkeiten, den Fokus zu halten. Daher ist es wichtig, sich immer wieder zu fragen: Worum geht es wirklich? Welche Informationen sind relevant? Wie können wir unseren Kurs beibehalten? Jupiter im persönlichen Horoskop Dort, wo Jupiter in unserem persönlichen Horoskop steht, erfahren wir Fülle und Glück. Für manche bedeutet das finanzielle Stabilität, für andere verlässliche Freundschaften, eine erfüllte Partnerschaft oder ein erfüllender Job. Doch das Gefühl von Glück und Zufriedenheit ist dynamisch und entwickelt sich ständig weiter, wobei es immer wieder neue Nuancen entfalten kann. Was uns wirklich glücklich macht In diesem Zusammenhang finde ich die Langzeitforschung zum Glücklichsein (Harvard Study of Adult Development**) bemerkenswert. Seit über 80 Jahren verfolgt diese Studie das Leben von über 2.000 Menschen verschiedener Generationen. Eine der wichtigsten Erkenntnisse: Materieller und beruflicher Erfolg allein führen nicht zwangsläufig zu einem erfüllten Leben. Vielmehr sind die Qualität unserer engen Beziehungen und unsere Fähigkeit zur Anpassung und Resilienz entscheidend für unsere Lebenszufriedenheit und Gesundheit. Es scheint einfach und dennoch haben wir oft Mühe mit unseren komplexen, zwischenmenschlichen Beziehungen. Darin zu investieren und sich immer wieder neu auf andere einzulassen ist ein lebenslanger Prozess, der sich lohnt. Auf gute Beziehungen – und auf Jupiter, der uns daran erinnert, dass echter Reichtum oft dort zu finden ist, wo wir ihn am wenigsten erwarten. Hinweise *LGBTQIA+: Lesbian, Gay, Bisexual, Transsexual/Transgender, Queer, Intersexual und Asexual **Harvard Studie: https://www.ted.com/talks/robert_waldinger_what_makes_a_good_life_lessons_from_the_longest_study_on_happiness?language=de Foto von Yan Ming auf Unsplash  

Horoskope zeigen uns unsere Vielfalt
Astrologische Konstellation, Tierkreiszeichen

Unshaming The Signs: Vielfalt Feiern

Populäre Astrologie hat oft die Tendenz, uns auf einfache Kategorien zu reduzieren: gut oder schlecht, viel oder wenig, richtig oder falsch. Was dabei verloren geht, ist die tiefe, bunte Vielfalt unserer Wesenszüge. Schnell wird ein Zwilling als flatterhaft, ein Skorpion als zu intensiv, ein Löwe als egozentrisch abgestempelt – doch hinter jeder Zuschreibung steckt eine Geschichte. Ein Motiv. Eine Sehnsucht. Eine neue Perspektive auf die Tierkreiszeichen In der Podcastfolge „Unshaming the Signs“ spricht die US-Astrologin Britten LaRue genau darüber: Wie wir gelernt haben, bestimmte Persönlichkeitsaspekte – also auch astrologische Archetypen – zu beschämen oder zu verstecken. Und wie heilsam es ist, ihnen wieder liebevoll Raum zu geben. Diese Haltung berührt mich sehr. Denn sie erinnert uns daran, dass jede astrologische Energie ein Geschenk ist – wenn wir sie annehmen. LaRue hat ihre Perspektive kürzlich auch in ihrem ersten Buch „Living Astrology“ vertieft, das diese Thematik weiter ausführt. Die leisen Glaubenssätze unter der Oberfläche Was sagt es über uns aus, wenn wir bei anderen (oder bei uns selbst) bestimmte Eigenschaften ablehnen? Oft liegt der Ursprung in einem Wertesystem, das auf Leistung, Anpassung und „so sollte man sein“ basiert. Das Beispiel Selbstfürsorge Selbstfürsorge zum Beispiel – ein Bedürfnis, das viele Menschen tief in sich tragen – wird in unserer Gesellschaft schnell mit Egoismus gleichgesetzt. In meinen Beratungen begegnet mir dieses Thema oft. Menschen, die alles für andere geben, aber den Kontakt zu ihren eigenen Bedürfnissen verloren haben. Gesellschaftlich wird es als lobenswert und erwünscht angesehen, sich intensiv um andere zu kümmern und fürsorglich zu sein. Gleichzeitig überschreiben wir dabei oft unser eigenes tiefes Bedürfnis nach Geborgenheit, Sicherheit und Genährt-Sein. Die tief verwurzelten Glaubenssätze, dass Selbstfürsorge egoistisch und unerwünscht sei, machen es uns schwer, uns mit unseren eigenen Wünschen zu verbinden und sie frei auszudrücken. Besonders stark spürbar wird das in Zeichenenergien wie Krebs oder Fische: das Bedürfnis nach Geborgenheit, Rückzug, Weichheit. Alles Qualitäten, die gesellschaftlich oft wenig Raum bekommen – und deshalb innerlich abgewertet werden. Wenn Kritik zum Überlebenswerkzeug wird Ein weiteres Beispiel ist das Zeichen Jungfrau. So oft als pingelig oder kritisch verschrien, wird dabei ihr tiefer Wunsch übersehen: Ordnung zu schaffen, Strukturen zu erkennen, das Wesentliche vom Unwesentlichen zu unterscheiden. In einer Welt voller Unsicherheiten kann das ein echtes Überlebenswerkzeug sein. Die Fähigkeit zur Kritik auszuspielen und wählerisch zu sein, dient dem Motiv, das Überleben in harten Zeiten zu sichern – indem wir Dinge in nützlich oder unnützlich einteilen. Doch wer traut sich schon, klar zu sagen: „Ich sehe das anders“ – ohne gleich als schwierig zu gelten? Die Kritik wird schnell als Nörgelei wahrgenommen, und so möchten wir auf keinen Fall erscheinen. Meine Löwe-Sonne wollte lange nicht gesehen werden Ich kenne das Thema selbst gut. Als Sonne im Löwen trage ich das Bedürfnis nach Sichtbarkeit und Anerkennung tief in mir. Und gleichzeitig habe ich es lange weggeschoben. Ich wollte nicht „zu viel“ sein. Nicht „die Rampensau“. Ich erinnere mich an Situationen, wo sich jemand wie selbstverständlich viel Sichtbarkeit genommen hat und ich – meine eigenen Bedürfnisse nach Sichtbarkeit ablehnend – innerlich diesem Jemand lieber Attribute wie „zu egoistisch“, „zu laut“, „zu unverschämt“ zugeordnet habe. Die Scheinwerfer auf sich selbst zu richten, ist negativ konnotiert, und ich hatte dieses Muster bestens verinnerlicht. Aber weißt du was? Ich war manchmal zu laut, zu sichtbar, zu kraftvoll – und genau das war richtig. Denn darin steckt mein Feuer, meine Kreativität, meine Freude. Es hat Zeit gebraucht, bis ich mich selbst darin anerkennen konnte. Heute weiß ich: Ich darf leuchten, ohne dass es anderen das Licht nimmt. Das tiefere Muster verstehen Wir alle wollen im Grunde gut sein und lehnen daher oft Teile unserer selbst ab, die kollektiv weniger Akzeptanz finden, um Sicherheit und Zugehörigkeit zu erleben. „Unshaming“ bedeutet: die tieferen Beweggründe hinter unserem Verhalten zu sehen – und sie zu würdigen. Es heißt nicht, alles gutzuheißen. Aber es bedeutet, liebevoll und neugierig zu bleiben. Auch mit sich selbst. Die Einladung zur radikalen Selbstannahme Unser Ziel sollte es sein, uns selbst mitfühlend zuzuhören, uns zu erkennen, unsere unerfüllten Wünsche und Bedürfnisse mit Neugier zu erforschen und zu lernen, sie ohne Scham auszudrücken. In diesem Sinne fordert uns die Astrologie zu radikaler Selbstannahme und -liebe auf. Astrologie ist für mich ein Spiegel, der uns nicht bewerten, sondern erinnern will: Du darfst du sein. Mit Ecken und Kanten, Sehnsüchten, Widersprüchen. Mit dem Wunsch nach Nähe und Rückzug. Nach Anerkennung und Ruhe. Nach Ordnung und Chaos. Lebenserfahrung und ehrliche, innere Arbeit helfen, uns mit allen Anteilen zu verbinden – den bekannten, den verborgenen, den geliebten, den verschwiegenen, den überraschenenden. Ein Weg zur Ganzheit „Unshaming the signs“ ist für mich kein Trend, sondern ein liebevoller Akt von radikaler Selbstannahme. Und ein Weg, unsere astrologischen Anlagen nicht zu glätten – sondern sie zu feiern. Es ist nicht nur ein Ansatz aus der Astrologie, sondern ein weiser Weg, der uns sagt: So, wie wir sind, sind wir gut.   Hinweise: The Astrology Podcast, Folge mit Britten LaRue Britten LaRue: Living Astrology, Gibbs Smith, 2024 Bild von Alexandr Ivanov, Pixabay

Der Planet Pluto macht kleine Dinge groß und große Dinge klein.
Astrologische Konstellation, Planeten

Pluto in Wassermann (2024-2044) – Was die KI-Transformation für uns bedeutet

Am 23. März 2023 wechselte Pluto nach 248 Jahren vom Tierkreiszeichen Steinbock in das Zeichen Wassermann. Mit einer scheinbar pendelnden Bewegung zwischen den beiden Zeichen verweilte Pluto ab November 2024 endgültig bis 2044 im Wassermann. Dieser Zeichenwechsel markiert den Beginn einer neuen Ära – und künstliche Intelligenz spielt darin eine zentrale Rolle. Pluto – Der Planet der Transformation In der Astrologie steht jeder Planet für bestimmte Themen und Energien, die auf der individuellen Ebene dazu dienen, unsere Lebens- und Entwicklungsaufgaben zu entfalten. Der Planet Pluto, in der Antike mit dem Gott der Unterwelt assoziiert, steht für tiefgreifende Veränderungen und Transformation. Pluto bringt ans Licht, was im Verborgenen liegt. Er zwingt uns, uns mit Machtstrukturen, Kontrolle und den dunkleren Aspekten unserer Existenz auseinanderzusetzen. Wo Pluto wirkt, können wir nichts unter den Teppich kehren – er fordert radikale Ehrlichkeit und vollständige Erneuerung. Wassermann – Der visionäre Weltbürger Das Tierkreiszeichen Wassermann kann man als gelegentlich überraschenden, starrköpfigen Weltbürger beschreiben, mit einer Leidenschaft für Kommunikation und Affinität zu Innovationen und Technologie. Wassermann ist zukunftsorientiert und strebt nach Fortschritt zum Wohl der gesamten Menschheit. Während Steinbock (wo Pluto die letzten Jahre verbrachte) für traditionelle Hierarchien, Institutionen und etablierte Machtsysteme steht, repräsentiert Wassermann Gleichheit, Freiheit, kollektive Intelligenz und technologischen Fortschritt. Der Wechsel von Pluto aus dem Steinbock in den Wassermann symbolisiert damit einen fundamentalen Paradigmenwechsel. Der Vorgeschmack: ChatGPT und die KI-Revolution Im November 2022 – kurz vor Plutos offiziellem Eintritt in den Wassermann – konnten wir mit der Einführung von ChatGPT, dem Chatbot von OpenAI, einen ersten Vorgeschmack der breiten Anwendung von KI bekommen. Innerhalb weniger Monate wurde deutlich: Diese Technologie wird alles verändern. KI verkörpert die Wassermann-Energien perfekt. Sie hat das Potenzial, unsere Welt grundlegend zu verbessern und zu revolutionieren. In dieser Ära werden wir erleben, wie KI in allen Lebensbereichen Einzug hält – von der Medizin und Bildung bis hin zur Wirtschaft, Kunst und Politik. Plutos Aufgabe: Die dunkle Seite beleuchten Doch Pluto bringt nicht nur Fortschritt, sondern auch die notwendige Auseinandersetzung mit den Schattenseiten. Während KI im Wassermann innovative Möglichkeiten eröffnet, zwingt uns Pluto, die problematischen Aspekte nicht zu ignorieren: Macht und Kontrolle: Wer kontrolliert die KI-Systeme? Welche Konzerne und Staaten haben die Macht über diese Technologie? Datensicherheit: Wie schützen wir unsere persönlichen Daten in einer Welt, in der KI alles analysieren kann? Diskriminierung durch Algorithmen: Wie stellen wir sicher, dass KI nicht bestehende Vorurteile und Ungerechtigkeiten reproduziert und verstärkt? Arbeitsmarkt-Transformation: Welche Jobs werden verschwinden? Wie bereiten wir uns auf eine radikal veränderte Arbeitswelt vor? Identität und Authentizität: Was bedeutet es, Mensch zu sein in einer Welt, in der Maschinen denken können? Historische Parallelen: Pluto in Wassermann Ein Blick in die Geschichte zeigt uns, was geschah, als Pluto zuletzt im Wassermann stand (1777-1798): Die Amerikanische Revolution (1776) und die Französische Revolution (1789) veränderten die politische Weltordnung grundlegend Aufklärung und die Idee der Menschenrechte setzten sich durch Neue Technologien wie die Dampfmaschine läuteten das Industriezeitalter ein Alte Machtstrukturen wurden gestürzt, neue Gesellschaftsformen entstanden Auch damals ging es um Freiheit, Gleichheit, technologischen Fortschritt – und um die radikale Transformation gesellschaftlicher Strukturen. Die Parallelen zu unserer Zeit sind offensichtlich. Was bedeutet das für uns? Der Pluto-Wassermann-Zyklus lädt uns ein, die Chancen und Herausforderungen von KI aktiv zu gestalten. Es ist wichtig, dass wir uns mit dieser neuen Technologie vertraut machen und uns mit den damit verbundenen ethischen Fragen auseinandersetzen. Astrologische Empfehlungen für den Umgang mit dieser Zeitqualität: Sei offen für Neues und zukunftsorientiertVerschließe dich nicht vor der technologischen Entwicklung. Experimentiere, lerne, bleibe neugierig. Lass dich von der transformativen Kraft inspirierenKI kann uns von repetitiven Aufgaben befreien und Raum schaffen für das, was uns wirklich menschlich macht: Kreativität, Empathie, tiefe Verbindungen. Hinterfrage kritischWer profitiert von dieser Technologie? Wer wird ausgeschlossen? Welche Machtstrukturen entstehen neu? Beteilige dich an der DiskussionDie Zukunft der KI wird jetzt gestaltet. Deine Stimme zählt – in deinem Umfeld, in der Politik, in der Gesellschaft. Bewahre deine MenschlichkeitGerade in einer zunehmend technologisierten Welt wird es wichtiger denn je, unsere Verbindung zu uns selbst, zu anderen Menschen und zur Natur zu pflegen. Die kommenden Jahre Pluto bleibt bis 2044 im Wassermann. Das bedeutet: Wir stehen erst am Anfang dieser Transformation. Die nächsten 20 Jahre werden zeigen, wie wir als Menschheit mit diesen gewaltigen technologischen Möglichkeiten umgehen. Die Frage ist nicht, ob KI unsere Welt verändern wird – das tut sie bereits. Die Frage ist: Wie gestalten wir diese Veränderung? Nutzen wir die Wassermann-Energie für echten Fortschritt, der allen dient? Oder schaffen wir neue Formen von Kontrolle und Ungleichheit? Der Pluto-Wassermann-Zyklus markiert eine spannende Zeit voller Umbrüche und Innovationen. Es liegt an uns, diese Technologie verantwortungsvoll zu gestalten – und dabei das Menschliche nicht aus den Augen zu verlieren.   Hinweis: Dieser Artikel beschreibt sehr allgemein das Thema KI und Astrologie auf kollektiver Ebene. Für die individuelle Bedeutung dieses Zeichenwechsels empfehle ich dir eine astrologische Beratung. Bildnachweis Gert Altmann auf Pixabay

Spiritualität
Astrologie Geschichte

Astrologie – Irgendwas mit Sternen.

Du willst wissen, was sich hinter Astrologie verbirgt? Keine der bisherigen Antworten hat dich so richtig überzeugt? Ich bin in einem Buch von Demetra George, ‚Ancient Astrology in Theory and Practice’*, auf ein philosophisches Konzept gestoßen, das ich sehr schlüssig finde. Das kosmische Ordnungssystem der Antike Frühe Philosophen sahen den Kosmos als ein hierarchisches Ordnungssystem, in dem die Erde das Zentrum darstellte. Die Erde war umgeben von sieben sich bewegenden Planeten, einer Unmenge an Fixsternen – und alles war eingebettet in einem göttlichen Element, dem ‚Aithḗr‘. Am äußeren Rand des Systems befand sich die Ebene der Einheit, Ewigkeit und Unveränderbarkeit. Platon nannte es ‚The Good‘, Aristoteles ‚The Prime Mover‘ und Plotinus ‚The One‘. Dies war die Quelle allen Seins, das göttliche Prinzip selbst. Die drei Ebenen des Kosmos 1. Die Fixsterne – Das Göttliche Planeten und Fixsterne wurden als sichtbarer Ausdruck des göttlichen Prinzips angesehen. Die Fixsterne galten dabei als besonders göttlich wegen ihrer Nähe zur Quelle und ihrer unveränderlichen, ewigen Bewegung. 2. Die Planeten – Die Vermittler Die Planeten bewegten sich zwischen Fixsternen und Erde. Sie waren weniger göttlich, da weiter entfernt von der Quelle, und sie bewegten sich unregelmäßiger. Doch genau diese Position machte sie zu Vermittlern zwischen dem Göttlichen und dem Irdischen. 3. Die Erde – Das Reich der Sterblichen Das Zentrum des Systems setzte sich aus den vier Elementen Feuer, Luft, Wasser und Erde zusammen. Die Erde selbst wurde von Sterblichen bevölkert, die sich gleichfalls aus den vier Elementen zusammensetzten und ausgestattet waren mit einem göttlichen Funken – auch Seele genannt. Die astrologische Deutungskunst Diese himmlische Anordnung diente den frühen Astrologen als Grundlage, um den Zustand der Planeten anhand unterschiedlicher Kriterien zu bewerten. Die Fixsterne bildeten dabei Bilder, durch die die Planeten scheinbar wanderten. Einige dieser Sternenbilder wurden später als die zwölf Tierkreiszeichen (Ekliptik) interpretiert, die als göttliche Residenzen verstanden wurden. Planetare Würden Den zwölf Tierkreiszeichen ordnete man die sieben Planeten zu. Wenn sich ein Planet in seiner „Heimatresidenz“ befand – wie zum Beispiel die Sonne im Tierkreiszeichen Löwe oder Venus im Zeichen Stier – galt das als besonders einflussreich und kraftvoll. Die Bewegung der Planeten Die Planeten selbst bewegten sich unregelmäßig, sowohl innerhalb ihrer eigenen Bahn als auch im Verhältnis untereinander. Diese planetaren Bewegungen wurden von den frühen Astrologen kartographiert, vielfältig beschrieben und in Zusammenhang mit dem Leben der Menschen auf der Erde gebracht. Die zwölf Häuser Mit dem täglichen Verlauf der Sonne, der ebenfalls in zwölf Abschnitte geteilt wurde, beschrieben die Astrologen zusätzlich Lebensbereiche – auch Häuser genannt – in denen sich die menschliche Erfahrung manifestierte. Die Rolle der Planeten Den Planeten wurde in diesem Prozess eine vermittelnde Rolle zwischen dem Göttlichen (den Tierkreiszeichen) und dem Irdischen (den Häusern) zugeschrieben. Sie waren die Boten, durch die göttliche Energie in das Leben auf der Erde integriert werden sollte. Man könnte sagen: Die Tierkreiszeichen sind die Sprache des Göttlichen, die Häuser sind die konkreten Lebensbereiche auf der Erde, und die Planeten sind die Übersetzer, die zwischen beiden vermitteln. Das Versprechen der Geburt Wenn ein Mensch geboren wird, halten die Planeten in ihrer Bewegung kurz inne und begeben sich in eines der zwölf irdischen Häuser. Dieser Moment markiert den Beginn eines Versprechens, das nun beginnt, sich zu entfalten. Das Geburtshoroskop ist somit wie eine kosmische Momentaufnahme – ein Abbild der Planetenkonstellationen zum Zeitpunkt der Geburt. Es zeigt die Qualität dieses einzigartigen Augenblicks und das Potenzial, das in diesem Moment angelegt wurde. Das Ziel der Planeten in ihren unterschiedlichen Zuständen ist es dabei, alles zu tun, um das Versprechen bestmöglich zu erfüllen. Manche haben es leichter (wenn sie in würdigen Positionen stehen), andere müssen härter arbeiten (wenn sie herausgefordert sind) – doch alle tragen ihren Teil zur Entfaltung dieses individuellen Lebensplans bei. Astrologie als spirituelle Praxis Dieses antike Verständnis macht deutlich: Astrologie ist mehr als ein Werkzeug zur Vorhersage. Sie ist eine spirituelle Praxis, die uns hilft zu verstehen, wie wir als göttliche Funken in einem materiellen Körper das Potenzial unserer Geburt verwirklichen können. Die Planeten erinnern uns daran, dass wir Teil eines größeren kosmischen Ganzen sind – verbunden mit dem Göttlichen und zugleich ganz konkret hier auf der Erde.   *Quelle: Demetra George, Ancient Astrology in Theory and Practice’, Volume One, 2019, Seiten 23-29

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